Herzlich Willkommen
Bild: Herbert Rappel
Tanzania 2000 von Herbert Rappel Mit   Verspätung   erreichten   wir   den   internationalen   Flughafen   in   Tansania,   Kilimantjaro   Airport.   Wohlriechend   liegt   die   erdige   Luft   der Savanne   über   unseren   Köpfen.   Für   fast   alle   ist   dies   der   erste   Kontakt   mit   dem   schwarzen   Kontinent.   Und   viel   haben   wir   uns   für   die nächsten zwei Wochen vorgenommen.
Die Safari Früh   am   nächsten   Morgen   haben   wir   uns   zum   Frühstück   verabredet.   Seppi,   Gertrud   und   Franz   haben   sich   mit   Kameras   bewaffnet am Zaun der Hotelanlage getroffen, wo zahlreiche Blumen und vor allem exotische Tiere, wie der Vogel Strauss vor die Linse liefen. Mit   dem   umgebauten   Unimog   ging   es   nach   dem   ersten   Frühstück   nach   Arusha,   einer   Stadt   mit   für   Afrika   kleinstädtischem Charakter.   Hier   wurde   erst   einmal   die   Verpflegung   für   die   nächsten   vier   Tage   Safari   aufgeladen   und   unser   überflüssiges   Gepäck   im Büro   Achmeds,   Base   Camp   Safari   Ltd.,   abgeladen.   Und   los   ging   es.   Unser   heutiges   Ziel   am   Samstag,   23.   September   2000   war   der Lake   Manyara   Nationalpark.   Wir   hatten   hier   die   ersten   Kontakte   zu   Affen,   Elefanten   und   Giraffen.   Auch   waren   Rhinozerosse   zu sehen.   Eines   der   größten   Erlebnisse   für   uns   alle   war   das   dumpfe   Pochen   der   riesigen   Ohren   der   grauen   Riesen,   als   diese   beim Luftfächern in der völligen Stille der Umgebung den Körper berührten, kaum 10 m von unserem Beobachtungsstand entfernt. Kurz    vor    Sonnenuntergang    verabschiedeten    wir    uns    vom    Nationalpark    und    fuhren    zu    unserem    ersten    Campground    in    die Hochebene unterhalb des Ngorongorokraters. Das   sollte   wirklich   kein   Urlaub   zum   Ausschlafen   werden.   Früh   ging   es   dann   mit   zwei   Land   Rover   in   Richtung   Ngorongoro   Krater. Angenehm   stieg   der   Weg   den   Kraterrand   hinauf   und   lange   dauerte   es,   bis   man   endlich   den   langersehnten   Blick   in   den   Krater werfen   konnte.   Interessant   war   es   auch,   die   Massai   und   die   scheinbar   endlos   langen   Tierkarawanen   beim   Abstieg   in   den   Krater beobachten   zu   können.   Von   fern   konnte   man   die   kleinen   Dörfer   sehen   und   ahnen   wie   die   Lebensverhältnisse   dieser   freien Nomaden und Krieger sein müssen. Viel gab es im Krater zu sehen und schnell konnte man seine Wunschliste an Tieren abhaken. Mittags   trafen   wir   uns   mit   all   den   vielen   Jeeps   an   einem   Wasser,   an   dem   die   Gefahr   durch   wilde   Tiere   am   geringsten   war,   so   wurde uns   zumindest   versichert.   Und   schon   konnten   wir   beobachten,   wie   unvorsichtige   Touristen   ihrer   Nahrung   erleichtert   wurden,   nicht von Tieren am Boden, nein, sondern von denen aus der Luft, die still über dem Rastplatz kreisten. Mit so manchen tierischen Highlights ging der Nachmittag zur Neige. Rechtzeitig    vor    Sonnenuntergang    erreichten    wir    wieder    den    Campground.    Kurz    darauf    kam    auch    schon    der    Besitzer    des Souvenirladens   und   ließ   fragen,   ob   wir   nicht   ihm   einen   Besuch   abstatten   wollten.   Nicht   lange   musste   er   warten,   bis   die   ersten Souvenirs den Besitzer wechselten. Der   Abend   war   dann   noch   mit   einer   kleinen   Überraschung   versehen.   Die   aus   dem   Nachbardorf   kommende   und   in   Nairobi   bekannte Tanz-   und   Musikgruppe   brachte   ihre   Show   zum   Besten.   Eine   Stunde   traditioneller   Tanz   und   Gesang   wechselten   mit   akrobatischen Einlagen ab. Bis wir zum Schluss aufgefordert wurden, ebenfalls unser Tanzbein zu schwingen. Am   nächsten   Morgen,   Montag   25.   September,   ging   es   dann   wieder   wie   gewohnt   zur   frühen   Stunde   mit   dem   Unimog   in   Richtung lang   ersehnter   Asphaltstraße   und   von   dort   aus   weiter   zum   Tarangire   Nationalpark.   Nachdem   wir   am   Campgrund   Kigongoni   unsere Zelte   bezugsfertig   errichtet   hatten,   ging   es   nach   einem   köstlich   erfrischenden   Lunch   in   unseren   für   diese   Reise   letzten   Nationalpark. Dieser   unterschied   sich   zu   den   Bisherigen   insofern,   als   dass   die   Harmonie   zwischen   Landschaft   und   Tier   dem   entspricht,   wie   man sich   Ostafrika   eben   vorstellt.   Stand   bisher   die   Tierwelt   im   Vordergrund,   so   war   dies   nun   die   Schönheit   der   ostafrikanischen   Savanne mit all ihrem Artenreichtum. Schnell   waren   die   vier   Tage   vorbei.   Sehnsüchtig   blickten   wir   der   Dusche   in   Arusha   entgegen.   Doch   kurz   vor   Sonnenuntergang musste   der   Fahrer   auf   dem   Weg   in   die   Stadt   feststellen,   dass   eine   Dieselleitung   leckte   und   der   Sprit   in   das   Wageninnere   lief. Notdürftig   war   sie   während   unseres   kurzen   und   in   meinen   Augen   auch   enttäuschenden   Aufenthaltes   in   der   Schlangenfarm   schnell geflickt, so dass wir unsere Safari mit einer Nachtfahrt durch Arusha am Maiessaicamp beenden konnten.
In Arusha Der   Mittwoch   war   der   Stadt   Arusha   gewidmet.   Aber   nicht   nur   der   Stadt,   sondern   auch   Seppi,   der   seinen   Geburtstag   feiern   konnte. Vormittags   jedoch   sind   zuerst   mal   Postkarten   in   Massen   geschrieben   worden.   Aber   auch   die   Gepäckwütigen   hatten   Zeit,   ihr Sortiment   auf   Vordermann   zu   bringen.   Und   da   gab   es   noch   die,   die   einen   afrikanischen   Frühschoppen   genossen   und   denjenigen (mich), der sich in das Getümmel der Stadt warf, um das Gepäck zu holen, den Flug zu bestätigen und Lebensmittel zu besorgen. Nachmittags   ging   es   dann   per   Anhalter   zu   neunt   auf   einem   Pick-up   stehend   bis   zum   »Daladala   Bus   Platz«   und   von   dort   aus   im Daladala,   einem   Mitsubishi   Kleinbus,   in   dem   wir   neun   dann   mit   weiteren   ca.   16   Personen   saßen,   in   die   Stadt,   um   auch   dieser   Reise den   obligatorischen   kulturellen   Touch   mitzugeben   und   das   für   den   Rest   der   Tour   notwendige   Geld   zu   tauschen.   Nach   der Besichtigung   des   von   den   deutschen   Kolonialmächten   errichteten   Forts   ging   es   auf   einen   kleinen   Stadtbummel   bis   zum   Markt.   Auf dem   Weg   dorthin   wurden   wir   auch   prompt   von   auf   unser   Wohl   bedachten   freundlichen   Straßenverkäufern   begleitet,   die   in   ihrer Zahl   bald   unsere   Gruppengröße   überstiegen.   So   kam   es   dann   auch,   dass   bald   die   ersten   Verhandlungen   über   den   Preis   so   mancher Souvenirs geführt wurden.
Auf dem Weg zum Mt. Meru Meist   zeigte   er   sich   die   letzten   Tage   bedeckt,   so   auch   heute,   Donnerstag   28.   September   2000.   Schnell   waren   die   Kilometer   vom Massai   Camp   bis   zum   Gate   zurückgelegt.   Ohne   weitere   Probleme   konnten   auch   die   Formalitäten   erledigt   werden,   so   dass   einer Besteigung   nichts   mehr   im   Wege   stand.   15   Träger   und   ein   Führer   waren   für   uns   vorgesehen.   Der   Führer   trug   ein   Gewehr   mit   sich, das zu Zeiten des Ersten Weltkrieges bereits im Einsatz war, um uns vor den bösen Tieren zu schützen. Der   Vulkan   Mt.   Meru   liegt   im   Arusha   Nationalpark.   In   meinen   Augen   mit   das   Schönste   auf   dem   Weg   zum   Gipfel   ist   die   Wanderung durch   den   Nationalpark   zu   Fuß   an   den   Tierherden   vorbei,   bis   man   dann   in   den   Waldgürtel   einsteigt,   der   den   Berg   ganz   umgibt. Bedingt    durch    die    ausgebliebene    Regenzeit    hatten    wir    trockene    und    vor    allem    staubige    Wege.    Und    schon    wieder    war Staubschlucken angesagt, da der Vordermann diesen unweigerlich aufwirbelte. Ohne   große   Mühe   ging   es   zur   ersten   Hütte.   Den   Nachmittag   verbrachten   wir   im   Krater   des   Berges.   Einer   der   schönsten   Momente dieser   Tour,   da   wir   hier   eine   Vielfalt   von   Blumen,   den   Berg   und   die   steilen   Hänge   in   einem   sehr   angenehmen   Licht   entdecken durften. Die   Nacht   in   den   Matratzen   war   komfortabel   und   für   alle   erholsam,   so   dass   wir   guter   Dinge   in   den   2.   Tag   am   Berg   gehen   konnten. Durch   den   Nebel   ging   es   am   Kraterrand   immer   gleichmäßig   bergauf.   Kurz   vor   der   2.   Hütte,   der   Sattle-Hut,   war   dann   auch   unser erster freier Blick auf den Kilimantjaro möglich. Es ist schon beeindruckend, diesen majestätischen Berg betrachten zu können. Wir   entschieden   uns   am   Mittag   des   29.   September   an   der   Sattle-Hut,   den   Aufstieg   zum   Hauptgipfel   zu   versuchen.   Üblich   ist   es, diesen   erst   in   der   Nacht   anzugehen,   so   dass   man   mit   Sonnenaufgang   am   Gipfel   steht.   Langsam   ging   es,   Schritt   für   Schritt,   dem Rhinopoint näher, von wo wir einen herrlichen Blick auf den eigentlichen Krater hatten. Dieser   Punkt   hatte   seinen   Namen   eines   Rhino   Skelettes   wegen.   Nach   mehreren   Zwischenstopps   erreichten   wir   dann   schließlich   die 4.000   m   Grenze   und   hatten   bald   einen   genialen   Blick   auf   den   Gipfel.   Stück   für   Stück   ging   es   entlang   der   Hänge   des   Kraterrandes weiter,   bis   sich   dann   schließlich   der   letzte   Anstieg   vor   einem   auftürmte.   Innerhalb   eines   Zeitfensters   von   ca.   30   Minuten   waren   alle am   Gipfel   angekommen.   Nach   den   obligatorischen   Gipfelfotos   ging   es   dann   im   Eiltempo   wieder   zur   Sattle-Hut.   Die   Eile   tat   not,   da der   nahende   Sonnenuntergang   sonst   den   Abstieg   nur   unnötig   verlängerte   und   erschwerte.   An   der   Hütte   erwartete   uns   ein prächtiges Abendessen.
Der Berg Früh   ging   es   wieder   mit   dem   Bus   in   Richtung   Rongai,   im   Norden   des   Massives   direkt   an   der   Grenze   zu   Kenia.   Mit   einem   etwas älteren   Bus   sollte   es   um   das   KiboMassiv   herum   gehen.   Pisten   waren   wir   ja   gewohnt.   Doch   diese   Piste   sollte   eine   unserer   härtesten Pisten   für   unsere   Lungen   werden.   Mehrfach   war   ein   Weiterkommen   mangels   Sicht   nicht   mehr   möglich.   Der   leichte   Rückenwind wehte   den   vom   Bus   aufgewirbelten   Staub   so   geschickt   nach   vorne,   dass   dieser   wie   eine   riesige   braune   Wand   dem   Fahrer   die   Sicht nahm.   Verflucht   hat   der   Fahrer,   glaube   ich,   den   Moment,   an   dem   er   diesen   Auftrag   bekommen   und   angenommen   hatte.   Innerhalb kürzester   Zeit   waren   wir   wieder   auf   dem,   was   die   Sauberkeit   anbelangt,   Stand   wie   vor   dem   Duschen   gestern   Abend.   Die   Kleidung hatte   wieder   ihre   Einheitsfarbe,   die   Haare   und   die   Haut   ebenfalls.   Die   Reifenpanne   war   nur   eine   willkommene   Abwechslung,   um   in der nahen Kneipe ein erfrischendes Getränk zu trinken. Bald   nach   der   Ankunft   und   dem   Ausfüllen   der   Formalitäten   ging   es   dann   los,   ‚Pole   Pole‘   durch   eine   grandiose   Landschaft.   Die Abschnitte   durch   den   Wald   waren   sehr   willkommen,   da   dieser   einen   angenehmen   Schatten   spendete.   ‚Pole   Pole‘   an   einzelnen Bauernhöfen   und   deren   Äckern   vorbei   immer   in   Richtung   Berg.   Ziemlich   ursprünglich   wirkte   auch   die   Landschaft,   als   wir   durch Meter hohes Heidekraut liefen. Immer wieder konnte man die Spuren der in der letzten Nacht aktiven Elefanten entdecken. So   wie   auf   der   Safari,   so   hatten   wir   uns   auch   dieses   Mal   für   die   Zelte   entschieden,   was   den   Vorteil   mit   sich   brachte,   die   Rongai- Route   gehen   zu   können.   Unser   erster   Übernachtungsplatz   war   mitten   in   diesem   Heidekraut.   Nach   dem   wir   nicht   die   Ersten   waren, die   diese   Stelle   zum   Campieren   nutzten,   waren   natürlich   alle   notwendigen   Vorkehrungen   bereits   getroffen,   die   ein   Lagerleben   so typisch   machen,   so   eben   auch   ein   riesiges   Toilettenlabyrinth,   in   dem   diverse   Tretminen   den   Weg   oftmals   versperrten.   Am   Tage   war dies   kein   größeres   Problem,   des   Nachts   jedoch   war   dies   schon   interessanter,   da   sich   die   Farbgebung   der   Umgebung   dieser Tretminen anpasste. Der   zweite   Tag   der   Kibobesteigung   blieb   mir   nur   als   Tag   in   Erinnerung,   an   dem   wir   Wegstrecke   zurücklegten.   Kaum   bleibende Eindrücke für mich, nur dass es am zweiten Lager ziemlich kalt war und ein bisschen Regen einsetztet Am   Dienstag,   03.   Oktober   ging   es   dann   zum   dritten   Lager.   Dieses   Lager   war   auch   der   Ausgangspunkt   zur   Besteigung   des   Mt. Mawenzis.   Andreas   großer   Tag   war   angebrochen,   an   seinem   Geburtstag   wollten   wir   ihn   bezwingen.   Das   Wetter   war   gut   und   so   ging es   dann   am   frühen   Nachmittag   los   in   Richtung   Westflanke.   An   der   ersten   Weggabelung   kamen   schon   die   ersten   Fragen   auf,   ob denn   dies   die   richtigen   Führer   seien,   da   sie   einen   riesigen   Umweg   zur   Mawenzi   Hütte   einschlugen.   Nachdem   wir   dieses   Dreieck ausgelaufen   waren,   erreichten   wir   glücklich   die   vermeintliche   Rinne,   in   der   der   Gipfel   bezwungen   werden   sollte.   Nach   einer   kleinen Diskussion   mit   den   einheimischen   Führern   ging   es   dann   doch   weiter   nach   oben.   Es   stellte   sich   auch   heraus,   dass   diese   das   erste Mal   versuchten,   den   Mawenzi   zu   besteigen.   Anfangs   ging   es   gut   bergan,   so   dass   wir   schnell   die   4.800   m   Grenze   erreichten.   Doch dann   stellte   sich   heraus,   dass   unter   einer   dünnen   Schicht   aus   Geröll   Eis   hervorkam.   Seppi,   Franz   und   Andreas   versuchten   noch kurze   Zeit   weiter,   bis   zum   Gipfel   vorzustoßen.   Doch   dann   bei   ca.   5.000   m   mussten   sie   ebenfalls   umdrehen.   So   kam   es,   dass   wir   alle wieder   den   Abstieg   antraten   und   ziemlich   enttäuscht   am   Lager   ankamen,   doch   mit   dem   Bewusstsein,   in   dieser   Gruppe   so   manchen Höhenrekord   eingestellt   zu   haben.   Erwartungsvoll   konnten   wir   nun   auch   den   Blick   in   Richtung   Kilimantjaro   richten,   denn   keiner hatte so wirkliche Probleme mit der Höhe und keiner hatte sich bei diesem kleinen Abstecher ausgepowert. Der   nächste   Tag   ging   dann   etwas,   so   fand   ich,   unmotiviert   los.   ‚Pole   Pole‘   ging   es   in   Richtung   Kibo   Hut,   die   auf   ca.   4.700   m   liegt und   neben   der   wir   unsere   Zelte   aufschlagen   wollten.   Schritt   für   Schritt   ging   es   durch   eine   endlos   scheinende   Landschaft   und   nur langsam   näherte   sich   das   bereits   früh   am   Morgen   gesichtete   Ziel.   Grandios   war   die   Landschaft.   Wir   befanden   uns   inmitten   der Kibowüste.   Was   mochte   wohl   der   morgige   Tag   bringen?   Würden   alle   so   fit   sein,   den   Aufstieg   antreten   zu   können?   Franz schwächelte.   Er   hat   die   Nacht   fast   nicht   geschlafen.   Die   Anderen   wirkten   vorsichtig,   keiner   wollte   den   anstehenden   Anstieg   in   der Nacht durch irgendeinen Blödsinn gefährden. Jeder war, so schien es mir, auf seine Handlungen bedacht. Um   uns   weiterhin   akklimatisieren   zu   können,   stiegen   wir   am   Nachmittag   nochmals   auf   eine   Höhe   von   ca.   5000   m   den   Hang   in Richtung   Gillmannspoint   an.   Auch   Franz,   dem   es   nach   einem   kleinen   Nickerchen   im   Zelt   neben   der   Kibo-Hut   deutlich   besser   ging. Viel   war   Ios   im   letzten   Lager   vorm   großen   Anstieg.   Kaum   war   die   Menschenmenge   abzuschätzen,   die   nachts   in   Richtung   Berg laufen   wollte.   Kurz   nach   Sonnenuntergang,   ca.7:30   Uhr   ging   es   dann   nach   einem   ausgiebigen   Abendessen   in   die   Schlafsäcke.   Sehr erholsam   war   dieser   Schlaf   jedoch   nicht,   da   die   ganze   Nacht   über   Bergsteiger   aus   allen   Nationen   das   Örtchen   nahe   unserer Zeltstadt aufsuchten. 23:00   Uhr,   die   Nacht   war   dunkel,   aber   sternenklar.   Langsam   kam   Bewegung   im   Lager   auf.   Köche   und   Bergführer   schienen   nicht geschlafen   zu   haben.   Der   Tisch   wurde   für   uns   bereits   in   der   Hütte   gedeckt.   Faszinierend   waren   die   Eigenheiten   der   anderen Bergsteiger.   So   ließ   sich   doch   eine   farbige   Amerikanerin   fortgeschrittenen   Alters   die   Schuhe   von   ihrem   Führer   binden,   in   die   sie vorher heizbare Sohlen eingelegt hat. Und so war jeder von uns mit seinen Eigenheiten beschäftigt. ,Pole   Pole‘,   langsam   ging   es   dann   ca.   24:00   Uhr   in   Richtung   Berg.   Langsam   stiegen   wir   durch   die   Nacht.   Bald   war   die   5000-Meter- Marke   wieder   erreicht.   Eine   schier   endlos   wirkende   Karawane   an   Lichtem   schien   sich   hinter   uns   den   Berg   hochzuwinden.   Wie   viele es   wohl   sein   würden?   Mit   jedem   Schritt   stellten   wir   wieder   einen   neuen   Höhenrekord   auf.   An   der   Hans   Mayer   Höhle   hielten   wir dann   für   einen   etwas   längeren   Stopp.   Doch   bald   war   die   Kälte   zu   spüren.   Und   wieder   ging   es   Schritt   für   Schritt,   ,Pole   Pole‘   dem Berg   entgegen.   Oben   sah   man   schon   die   ersten   Lichter   in   der   Scharte   des   Gillmanspoints.   Die   Ersten,   die   es   geschafft   hatten.   Doch dann,   wie   aus   dem   Nichts,   Hccchhh   Tssssch,   Hccchhh   Tssssch,   Hccchhh   Tssssch   überholten   uns   ein   amerikanisches   Pärchen.   Wie sich   später   herausstellen   sollte,   hatten   diese   den   Kibo   in   nur   zweieinhalb   Tagen   bestiegen.   Hut   ab   vor   dieser   Leistung.   Was   wohl der Grund für diese Anstrengung war? Sicherlich nicht der Genuss an dieser herrlichen Landschaft. Noch   zwei   Mal   hielten   wir   an.   Die   letzten   Meter   schienen   nicht   zu   verstreichen.   Doch   dann   war   die   Scharte   auch   für   uns   geschafft. So   standen   wir   zu   neunt   gemeinsam   um   ca.   5:20   Uhr   auf   dem   5.715   m   hohen   Gillmanspoint.   Groß   war   die   Freude,   aber   auch   die Kälte, als wir der Morgendämmerung entgegenblickten. Da es noch viele Minuten bis zum Sonnenaufgang waren, entschieden wir uns, auf den Weg in Richtung Uhuru Peak zu machen. Immer   das   Ziel   vor   Augen,   hatten   wir   bald   den   Stellapoint   erreicht,   eine   weitere   Scharte,   durch   die   man   den   Kraterrand   erreichen kann.   Doch   von   nun   an   zeichnete   sich   deutlich   ab,   dass   dies   kein   ruhiger   Gipfelbesuch   sein   werde.   Eine   endlos   scheinende Karawane ging in Richtung Uhuru Peak und ebenso in die Gegenrichtung, wieder in Richtung Tal. Zu   acht   warfen   wir   uns   am   05.10.2000   vormittags   in   das   Getümmel   des   Gipfels.   Nur   durch   Helmuts   Einsatz   war   es   uns   geglückt, ohne lange Wartezeiten am Gipfel ein Gruppen-Gipfelfoto machen zu können. Nach   dem   wir   ausführlich   den   Rundumblick   dieser   genialen   Aussicht   in   die   Savanne   bei   bestem   Wetter   genossen   hatten,   ging   es dann   wieder,   vorbei   an   den   einzelnen   Gletschern,   zum   Gillmans   Point.   Überaus   glücklich   war   ich,   dass   wir   alle   neun   14   Tage   voll   mit Erlebnissen gehabt hatten, ohne dass es zu Problemen in Gruppe kam und wir wohlbehalten bis zum Gipfel kamen. Der   Abstieg   ging   dann   schnell   über   die   Normalrute,   die   inzwischen   ,autobahnähnlich‘   anlässlich   des   Millenniums   ausgebaut   wurde. Am   06.10.2000   erreichten   wir   dann   alle   glücklich   und   wohlbehalten,   staubig,   verdreckt   von   oben   bis   unten   und   müde   das   Marangu Gate.